Lange bevor ich in mein kleines Städtchen an der Nordseeküste zog, habe ich schon Fisch verkauft, und in Zuge dessen auch den ein oder anderen Tag hinter der Theke in einem Supermarkt verbracht. Leider war es da so, dass ich nicht nur Fisch verkaufen durfte, sondern gelegentlich auch in der Wurst und Käseabteilung aushelfen musste.
Die Käseabteilung war ein weiteres kleines Steckenpferd meiner Wenigkeit, denn ich finde neben Fisch ist Käse eines der anspruchsvollsten Lebensmittel. Sich mit Käse richtig gut aus zukennen, was mir trotz häufigem probierens nie endgültig gelungen ist, gleicht schon fast einem guten Sommelier.
Gerade beim Käse unterscheiden sich die verschiedenen Sorten doch sehr von Landschaft zu Landschaft, und es faszinierend wie ein Affineur es schafft aus ein und dem selben Rohprodukt zich verschiedene Endprodukte zu zaubern.
Um den Bogen wieder zurück zu schlagen, mit wesentlich weniger Freude als in der Käseabteilung widmete ich mich dem Verkauf der Wurstprodukte.
Fleischprodukte waren so da, und gelegentlich auch Beratungsintensiv, Wurst hingegen ist glaube ich eines der am selbstverständlichsten Lebensmittel überhaupt.
Abgesehen von einigen Tipps zu Lagerung (ja sie können diese Salami wirklich in einem Keller ohne Kühlschrank lagern) oder ähnlichem, war das Beratungspotential hinter einer Wursttheke doch sehr beschränkt.
Mein Glück bestand darin, dass der Supermarkt der damals meinen Lebensunterhalt finanzierte über hervorragende Wurst und Schinkenspezialitäten verfügte, aus eigener Bioproduktion, so dass ich wenigstens die Ware mit gutem Gewissen verkaufen konnte.
Somit sprach sich sehr schnell in den feineren Kreisen der Darmstädter Gesellschaft herum, dass man für sehr viel Geld in diesem Markt etwas gutes zu Essen erstehen kann.
Eigentlich sollte mich das erfreuen, sorgten doch Bons mit einem Wert von 80€ an der Wursttheke dafür, dass mein Job relativ Krisensicher war.
Nur begegnete einem als Wurstverkäufer das gleiche Phänomen was einem als Fischverkäufer auch begegnet, nur dass ich das noch weniger verstehen kann.
Zweifelt man bei einem Fischverkäufer seine fachliche Qualifikation an, so ist das oft dem Umstand geschuldet dass fachliche Qualifikation in Sachen Fisch ein rares Gut ist, und, so schade ich das finde, einem wirklich oftmals auch Verkäufer begegnen die nicht mal Fisch essen. Ich habe hingegen noch nie eine Fleischwarenfachverkäufer/in getroffen, die Vegetarier ist.
Deshalb frage ich mich umso mehr wie es zu folgendem Szenario kommen kann, und ja ich arbeite wieder einige der Klischees ein, die ich vielleicht schon mal erwähnte:
Der Kunde kommt an den Tresen und das Gespräch beginnt "Guten Tag, was kann ich ihnen gutes tun"
"Ich hätte gerne Fleischwurst ohne Knoblauch"
"Schönen guten Tag erstmal. selbstredend, wieviel darf es sein?"
"Sie müssen mir nicht beibringen wie man grüßt"
"Ein halber Ring ist recht?"
"Dann hätte ich noch gerne 10 Scheiben Lyoner"
Hier ist das erste was mich immer wieder ärgerte. Damals war ich noch ein Jüngling, nicht gewaschen mit den Wassern des Verkaufs, und noch deutlich empfindlicher solchen Unhöflichkeiten gegenüber als heute.
"Ja, gebe ich ihn gerne, aber klären wir doch erstmal zu Ende ob die Menge so recht ist?"
"Ah ja, dachte das war offensichtlich, ja ist es"
Vielleicht war es das - aber Reden ist deshalb immer eine so schöne Sache, weil es beim einkaufen hilft Missverständnissen vorzubeugen.
"10 Scheiben Lyoner, was kann ich Ihnen außerdem gutes tun?"
"150 Gramm Parmaschinken, aber so dünn geschnitten dass ich die Zeitung durchlesen kann, ich esse den nur hauch dünn"
"Ich nehme zum Zeitungslesen meist meine Brille. Aber dass der dünn geschnitten wird, ist nicht unbedingt eine Neuigkeit von südlich der Alpen"
Und das, liebe Leser, ist eine Sache die ich wirklich nicht nachvollziehen kann. Die Zeiten, in der Mann 200 Gramm von der Groben Fetten wollte, es aber nicht ging weil sie zur Berufsschule war, sind schon lange vorbei.
Kein Verkäufer will Mitleid oder ähnliches. Nicht ob der schlechten Arbeitszeiten (6-22 Uhr Verfügbarkeit), nicht wegen des geringen Lohnes und der mit spätestens 50 kaputten Knie. Auch nicht dafür ,dass Mama und Papa vll wollten dass man was anständiges lernt und nicht Erzieher wird, und man deswegen mit 45 da steht und eigentlich was anderes wollte. Aber man sich jeden Tag hoch motiviert auf den Weg zur Arbeit macht, immer lächelnd und trotz der kruden Fragen immer nett.
Aber etwas Respekt wäre stets schön.
Respekt kostet selten was,genauso wenig wie Höflichkeit. Aber wieso glaubt man als Kunde dass der Verkäufer nicht in der Lage ist zu wissen wie man Schinken schneidet? Kein Mensch mag Parmaschinken in dicken Scheiben, außer man braucht Parmaschinkenwürfel. Aber dann wird es meist extra dick bestellt.
Es interessiert keinen, deswegen wird auch keine meiner ehemaligen Kolleginnen, die z.b. lieber Kindergärtnerin werden wollte, aber Verkäufer werden musste, dass dem Kunden erzählen. Aber hinter jedem Leben hinterm Tresen steckt eine Geschichte.
Jeder meiner Kollegen versucht jeden Tag einen guten Job. Aber die wenigsten meiner Kollegen stehen da wo sie sind, weil sie gut aussehen, sondern weil sie Ahnung haben von dem was sie tun. Und jeder Mensch funktioniert besser, wenn man nicht mit Misstrauen beginnt, sondern ihm was zutraut.
Keiner, und dieses Beispiel habe ich schon bemüht, geht zum Arzt und misstraut der Diagnose, holt sich nen Anwalt und misstraut dem Mandat, kauft ein Auto und misstraut dem Verkäufer.
Es gibt sicher Jobs die stressiger sind, wo man sich die Knochen noch mehr kaputt macht.
Aber ich verspreche Ihnen, in 10 Stunden, 250 Kunden nett und lächelnd zu bedienen, und das obwohl man manch unverschämten Spruch hört, ist eine Königsdisziplin.
Denn die meisten die Verkaufen wissen wie Schinken geschnitten werden muss, und wenn es mal 1 mm zu dick ist, verzeihen Sie es und sprechen sie es beim nächsten Mal an.
Nette Kritik wird meist mit nem Wiener belohnt ^^
Gruß
Jojodokus
Donnerstag, 17. Januar 2013
Dienstag, 15. Januar 2013
"Haben sie denn auch etwas mit Fisch?"
Über die Frischediskussion habe ich ja schon einige Worte verloren, aber als ich vergangenen Dienstag in dem Laden, der mir mein Studium teilfinanziert von einem Kunden im Bistro mit den Worten im Titel konfrontiert wurde, wusste ich nicht so recht was ich erwidern soll. Schließlich heißt mein Arbeitgeber "Fisch K*****" und somit ist der Bestimmungszweck der Unternehmung recht klar definiert. Es verwundert nicht, wenn die Leute staunen, dass wir Fleischprodukte haben und diese auch gerne servieren, umgekehrt bin ich bisher davon ausgegangen dass im Fischladen Fisch zu haben ist.
Aber es war eine der Fragen, die es stets schaffen mir eine Freudenträne ins Auge zu treiben.
Denn die Tage sind oft lang, besonders wenn man an einem Dienstag oder Mittwoch im Laden stehen muss, und der Betrieb oftmals mau. Wie das unter der Woche oft so ist.
Die Frage beantwortete ich natürlich in meiner charmantesten Art positiv, so dass der Kunde glücklich sein frisch gebratenen Fisch, ohne Hackfleisch - die Frage kam später am Tag, ob in der Eihülle Hack wäre, was nicht so ist, zu schnabulieren.
Wenn man jedoch solche Fragen hört, und ich versichere es gibt mehr Fragen in dem Stil, dann überlege ich mir immer gerne wie es dazu kommt.
Haben die Herrschaften, gerade zu Ferienzeit oft Touristen, zu Hause Fischbistros die keinen Fisch verkaufen? Oder Hackfleisch in Eihülle als Scholle verkaufen?
Oder aber ist es einfach Unsicherheit, denn es ist eine neue Umgebung, eine fremde Stadt und die wissen ja nicht was sie erwartet.
Dann ist es ja schon fast verwerflich, dass ich mich über die Fragen amüsiere. Aber es ist leider fast unmöglich es nicht zu tun. Ich mache es natürlich nur heimlich, wir haben extra einen kleinen Raum, für amüsante Details des Arbeitsalltages.
Gehen wir also davon aus, es ist Unsicherheit und nach meiner Bejahung der Frage, wird die bereits erörterte Frage nach der frische gestellt. Man denkt sich "dafür dass sie bis eben nicht wussten ob wir Fisch verkaufen, sind sie jetzt aber forsch" aber auch da geht man gerne mit.
Es wird also garantiert Hackfreier Fisch, der frisch ist und in einem Fischbistro verkauft wird, bestellt. Die Beliagenfindung ist schnell erledigt, scheinbar ist die Nordseeküste für ihre Bratkartoffeln berühmt.
"Darf ich ihnen Remoulade dazu servieren?" die bei uns, weil selbst gemacht sehr schmackhaft ist.
"Ja Marmelade nehme ich gerne" <--- das glaube ich wohl, aber zum Fisch? Doch auch diesen sprachlichen Lapsus übergehen wir mit gekonnter, jahrelanger Erfahrung und fragen zu guter letzt: "Was darf es zum trinken sein?"
Und bekommen die Antwort "MIT REMOULADE; JA BITTE" und fragen erneut "Was darf es zu trinken sein?" um wieder die Antwort zu hören "Remoulade möchten wir"
Nach einem kurzen hin und her, hat man auch heraus gefunden was es zum trinken sein darf.
Und ja, es nervt - so viele Fragen und das obwohl man nicht bei Starbucks einen zu teuren Kaffee mit ohne alles kauft, sondern nur Fisch möchte, aber ich muss es wissen - "Möchten sie ihre Cola in einer kleinen, mittleren oder großen Größe?"
"NORMAL" Ah, normal. Ich trinke "normalerweise" eine 0.5 Cola. Oder ein Maß Bier. Nur leider weiß ich nicht, was sie normal trinken. Also nehme ich die mittlere Größe. Denn auch ich will leben, und eine mittlere Cola bringt mehr Geld als eine kleine... und für jeden ist normal etwas anderes.
Ist die Bestellung dann getätigt, und es wurde ein Essen gewählt dass noch einen kleinen Moment dauert, bekommt der Kunde in dem kleinen Laden an der Nordsee einen Pager mit zu Tische. Dieser hat die Form eines Hummers und meldet sich, sobald das Essen fertig ist.
Ich lege also den Hummer auf den Tresen und sage "so, ihr Essen dauert jetzt noch einen kleinen Moment. Wenn der Hummer sich so (ein kurzes vibrieren und leuchten setzt ein) das nächste Mal bei ihnen meldet, ist ihr Essen fertig und sie kommen kurz vor und holen es sich ab"
"jaja, ist das meine Cola?"
"Genau, und einmal den Hummer mitnehmen"
"wofür ist der denn? Ist ja ulkig."
Wieso nur, fällt es den Menschen so schwer zu zu hören und beraten zu lassen? Es muss sich keiner auskennen, ich erkläre gerne die Unterschiede zwischen den Fischen, ich berate auch wenn 15 Leute in der Schlange stehen. Aber bitte nicht so tun, als wäre alles bekannt, als wüsste jeder wie man bei uns isst. Denn überall ist es anders. Und bitte nicht bei 2 Verkäufern gleichzeitig bestellen, wenn man eine Rechnung hat - oder hat man im Restaurant auch 2 Kellner für 1 Tisch?
Und immer dran denken - ein "Moin" oder "Hallo", ein "Grüß Gott" oder "Hallo" wenn man zu jemanden kommt und etwas möchte. Das darf immer sein. Aber das kommt im nächsten Beitrag.
Aber es war eine der Fragen, die es stets schaffen mir eine Freudenträne ins Auge zu treiben.
Denn die Tage sind oft lang, besonders wenn man an einem Dienstag oder Mittwoch im Laden stehen muss, und der Betrieb oftmals mau. Wie das unter der Woche oft so ist.
Die Frage beantwortete ich natürlich in meiner charmantesten Art positiv, so dass der Kunde glücklich sein frisch gebratenen Fisch, ohne Hackfleisch - die Frage kam später am Tag, ob in der Eihülle Hack wäre, was nicht so ist, zu schnabulieren.
Wenn man jedoch solche Fragen hört, und ich versichere es gibt mehr Fragen in dem Stil, dann überlege ich mir immer gerne wie es dazu kommt.
Haben die Herrschaften, gerade zu Ferienzeit oft Touristen, zu Hause Fischbistros die keinen Fisch verkaufen? Oder Hackfleisch in Eihülle als Scholle verkaufen?
Oder aber ist es einfach Unsicherheit, denn es ist eine neue Umgebung, eine fremde Stadt und die wissen ja nicht was sie erwartet.
Dann ist es ja schon fast verwerflich, dass ich mich über die Fragen amüsiere. Aber es ist leider fast unmöglich es nicht zu tun. Ich mache es natürlich nur heimlich, wir haben extra einen kleinen Raum, für amüsante Details des Arbeitsalltages.
Gehen wir also davon aus, es ist Unsicherheit und nach meiner Bejahung der Frage, wird die bereits erörterte Frage nach der frische gestellt. Man denkt sich "dafür dass sie bis eben nicht wussten ob wir Fisch verkaufen, sind sie jetzt aber forsch" aber auch da geht man gerne mit.
Es wird also garantiert Hackfreier Fisch, der frisch ist und in einem Fischbistro verkauft wird, bestellt. Die Beliagenfindung ist schnell erledigt, scheinbar ist die Nordseeküste für ihre Bratkartoffeln berühmt.
"Darf ich ihnen Remoulade dazu servieren?" die bei uns, weil selbst gemacht sehr schmackhaft ist.
"Ja Marmelade nehme ich gerne" <--- das glaube ich wohl, aber zum Fisch? Doch auch diesen sprachlichen Lapsus übergehen wir mit gekonnter, jahrelanger Erfahrung und fragen zu guter letzt: "Was darf es zum trinken sein?"
Und bekommen die Antwort "MIT REMOULADE; JA BITTE" und fragen erneut "Was darf es zu trinken sein?" um wieder die Antwort zu hören "Remoulade möchten wir"
Nach einem kurzen hin und her, hat man auch heraus gefunden was es zum trinken sein darf.
Und ja, es nervt - so viele Fragen und das obwohl man nicht bei Starbucks einen zu teuren Kaffee mit ohne alles kauft, sondern nur Fisch möchte, aber ich muss es wissen - "Möchten sie ihre Cola in einer kleinen, mittleren oder großen Größe?"
"NORMAL" Ah, normal. Ich trinke "normalerweise" eine 0.5 Cola. Oder ein Maß Bier. Nur leider weiß ich nicht, was sie normal trinken. Also nehme ich die mittlere Größe. Denn auch ich will leben, und eine mittlere Cola bringt mehr Geld als eine kleine... und für jeden ist normal etwas anderes.
Ist die Bestellung dann getätigt, und es wurde ein Essen gewählt dass noch einen kleinen Moment dauert, bekommt der Kunde in dem kleinen Laden an der Nordsee einen Pager mit zu Tische. Dieser hat die Form eines Hummers und meldet sich, sobald das Essen fertig ist.
Ich lege also den Hummer auf den Tresen und sage "so, ihr Essen dauert jetzt noch einen kleinen Moment. Wenn der Hummer sich so (ein kurzes vibrieren und leuchten setzt ein) das nächste Mal bei ihnen meldet, ist ihr Essen fertig und sie kommen kurz vor und holen es sich ab"
"jaja, ist das meine Cola?"
"Genau, und einmal den Hummer mitnehmen"
"wofür ist der denn? Ist ja ulkig."
Wieso nur, fällt es den Menschen so schwer zu zu hören und beraten zu lassen? Es muss sich keiner auskennen, ich erkläre gerne die Unterschiede zwischen den Fischen, ich berate auch wenn 15 Leute in der Schlange stehen. Aber bitte nicht so tun, als wäre alles bekannt, als wüsste jeder wie man bei uns isst. Denn überall ist es anders. Und bitte nicht bei 2 Verkäufern gleichzeitig bestellen, wenn man eine Rechnung hat - oder hat man im Restaurant auch 2 Kellner für 1 Tisch?
Und immer dran denken - ein "Moin" oder "Hallo", ein "Grüß Gott" oder "Hallo" wenn man zu jemanden kommt und etwas möchte. Das darf immer sein. Aber das kommt im nächsten Beitrag.
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